Kurzfilme, wenn sie nicht gerade von einem später berühmt gewordenen Regisseur insziniert wurden, geraten schnell in Vergessenheit. Ein Trend, dem wir mit Retro-Perspektiven entgegenwirken wollen. Retro-Perspektiven bietet älteren Kurzfilmen ein Forum. Vom Filmfestival “Sehsüchte.08″ haben wir historische Kurzfilme mitgebracht: verborgene und verschollene Perlen aus den Archiven der Hochschule für Film und Fernsehen “Konrad Wolf” in Potsdam. Wir zeigen einen Teil dieser Schätze: Insgesamt sechs Produktionen aus den Jahren 1962-1990.
Das sind teilweise kaum oder nie gezeigte Übungen und Abschlussfilme, die immer auch Spiegel ihrer Zeit sind. MEINE ERLEBNISSE (1962) und DER AUSFLUG (1966) sind autobiographisch- experimentell gefärbte Filme von ausländischen Studierenden an der HFF in den 1960er Jahren. Alfredo Lugo gelang mit DER ONKEL IST TOT (1966) ein an Fellini erinnerndes Meisterwerk der kleinen Form. Ob und wie man sich in der DDR des Jahres 1968 kritisch mit Karl Marx auseinandersetzte zeigen die VERSUCHE ÜBER KARL MARX. Ein Kurzfilm, an dem unter anderem der spätere Filmemacher und DDR-Bürgerrechtler Konrad Weiß beteiligt war. Die zwei Abschlussfilme dieser Reihe sind Jörg Foths ironische Dokumentarrevue BLUMENLAND (1975) und der nach der “Wende” entstandene Film IM SCHATTEN DER MAUER (1990) von Beate Neumann, der die neu gewonnene Freiheit auch visuell markiert.



Jürgen | 13.11.2008 um 10:04 Uhr | Permalink
Eine einmalige Gelegenheit historische Kurzfilme zu sehen. Vor allem “Der Onkel ist tot” ist ein Meisterwerk!