Bübchen

„Bier her, Bier her oder ich fall um!“, schallt die in tumbe, heitere Harmonien gehüllte Tragik kleinbürgerlichen Daseins lautstark aus dem Festsaal der Betriebsfeier, während die besorgte Mutter im Vorraum ihren obligatorischen Kontrollanruf tätigt und das kleine Katrinchen daheim zu ersticken droht. Sonderlich viel Luft zum Atmen bleibt jedoch niemandem in diesem detailliert gezeichneten, trostlosen Endsechziger-Vorstadtmilieu.

Von der Back- bis zur Bildröhre, vom Nudelauflauf bis zum vollmöblierten Eigenheim mit Grünanlage und geregelten Nachbarschaftsverhältnissen scheint hier alles vorhanden zu sein, was man so zum Leben benötigt. Nur das Leben selbst ist offenbar irgendwo zwischen grauen Wänden, braunen Sofagarnituren, philiströsem Ordnungswahn und einer heuchlerischen Moral auf der Stecke geblieben. Katrinchens Bruder, der etwa zehnjährige Achim, hat seine eigene Methode, mit diesem leblosen Stumpfsinn umzugehen, zumal ihn die gegebenen Möglichkeiten sozialer Integration wenig beeindrucken. Trotzig reflektiert er die quälende Eintönigkeit durch lustloses, träges Gebaren und mundfaule Bemerkungen. Da aber niemand wirklich darauf eingeht, kutschiert er sein kleines Schwesterchen im Bollerwagen zum abgelegenen Schrottplatz, um sie dort gegen einen ausgedienten Autositz einzutauschen.

Inspiriert durch einen Zeitungsartikel entstand während einer Zugfahrt das Drehbuch zu seinem ersten abendfüllenden Spielfilm. Der Film entfaltet durch die zurückhaltende aber aufmerksame Kameraführung sowie die nüchterne, doch präzise Inszenierung eine ans Dokumentarische grenzende Wirkung, der man sich nicht verschließen kann.

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